intro-2-paintings-sculptures.xml 111 KB
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<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml"
	schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
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	<teiHeader>
		<fileDesc>
			<titleStmt>
				<title>Title</title>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<p>Publication Information</p>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<p>Information about the source</p>
			</sourceDesc>
		</fileDesc>
	</teiHeader>
	<text>
		<body>
			<div xml:id="LIDO_foundations">
				<div xml:lang="de">
					<head n="1">Allgemeine Grundlagen</head>
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					<div xml:id="guidlines_standards">
						<head n="2">Auf welchen Standards basiert das vorliegende Handbuch?</head>
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						<p rend="leading">Dieses Handbuch berücksichtigt Standards und Regelwerke,
							die sich zur Beschreibung von Objekten des kulturellen Erbes und für den
							Datenaustausch etabliert haben. Besondere Bedeutung kommt den Standards
							zu, die die Integration von Daten aus verschiedenen Kultursparten
							fördern und über die mittels Linked Data-Techniken Wege zu semantischen
							Verknüpfungen eröffnet werden können.</p>
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						<p rend="leading">Grundlage des Handbuchs ist das <ref
								target="http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-schema-listing.html"
								>LIDO-Schema</ref> als Standard für die technische <hi rend="bold"
								>Datenstruktur</hi>, in der die Daten ausgetauscht werden. Mit LIDO
							eng verbundene und hier berücksichtigte und empfohlene Standards sind
							darüber hinaus: <list>
								<item> formale, abstrakte <hi rend="bold">Modelle</hi> als
									Bezugsrahmen für die Datenintegration, insbesondere das <ref
										target="http://www.cidoc-crm.org/">CIDOC Conceptual
										Reference Model (CIDOC CRM)</ref> und die <ref
										target="https://www.ifla.org/publications/functional-requirements-for-bibliographic-records"
										>Functional Requirements for Bibliographic Records
										(FRBR)</ref>. </item>
								<!-- Ersetzt durch LRM? -->
								<item> Regelwerke für den <hi rend="bold">Dateninhalt</hi>, die
									Erschließungsrichtlinien umfassen, insbesondere die <ref
										target="http://www.getty.edu/research/publications/electronic_publications/cdwa/index.html"
										>Categories for the Description of Works of Art (CDWA)</ref>
									und <ref target="https://cco.vrafoundation.org/index.php/"
										>Cataloging Cultural Objects: A Guide to Describing Cultural
										Works and Their Images (CCO)</ref>. </item>
								<item> kontrollierte Vokabulare für die <hi rend="bold"
										>Datenwerte</hi>, wie zum Beispiel der <ref
										target="http://www.getty.edu/research/tools/vocabularies/aat/"
										>Art &amp; Architecture Thesaurus (AAT)</ref> oder die <ref
										target="https://portal.dnb.de/">Gemeinsame Normdatei
										(GND)</ref>. </item>
							</list>
						</p>
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						<p>Das Austauschformat LIDO basiert weitgehend auf <ref
								target="https://www.getty.edu/research/publications/electronic_publications/cdwa/cdwalite.pdf"
								>CDWA Lite</ref>, dem XML-Schema der Categories for the Description
							of Works of Art (CDWA). Die CDWA bilden ein Rahmenwerk für die
							Katalogisierung von Objekten des Kulturerbes mit einem <ref
								target="http://www.getty.edu/research/publications/electronic_publications/cdwa/categories.html"
								>Kategorienschema</ref> und Erschließungsrichtlinien. Angelegt von
							der Art Information Task Force in den frühen 1990er Jahren, wird CDWA
							heute vom Getty Research Institute verwaltet und gepflegt. Einen
							Überblick über Geschichte und Zweck der CDWA gibt das <ref
								target="http://www.getty.edu/research/publications/electronic_publications/cdwa/introduction.html"
								>einleitende Kapitel</ref> auf der Webseite des Standards. Die
							Cultural Objects Name Authority (<ref
								target="http://www.getty.edu/research/tools/vocabularies/cona/index.html"
								>CONA</ref>) ist eine Implementierung von CDWA.</p>
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						<p>LIDO integriert und erweitert CDWA Lite um Elemente des CIDOC Conceptual
							Reference Model (CIDOC CRM), das seit 1996 von CIDOC entwickelt wird,
							2006 zum ISO-Standard für die Datenmodellierung im Kulturerbe-Bereich
							wurde und nun in revidierter Form vorliegt (ISO 21127:2014). CIDOC CRM
							ist ein abstraktes, objekt-orientiertes Modell, das einen Bezugsrahmen
							zur Zusammenführung und Vereinheitlichung von Kulturinformationen
							schafft und unabhängig von einer bestimmten Implementierung gültig ist.
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							Als formale Ontologie definiert das CIDOC CRM einen logischen Rahmen
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							zur Formulierung gültiger Aussagen über Kulturobjekte Ein
							Schlüsselkonzept des CIDOC CRM ist es, Aussagen über Objekte an
							Ereignisse seiner Geschichte zu binden. Dieses ereigniszentrierte
							Vorgehen ermöglicht es, Eigenschaften von Objekten mit Bezügen zu
							beteiligten Akteuren oder Ort und Zeit präziser abzubilden. Es
							unterstützt dadurch das (automatische) Aufdecken von Zusammenhängen
							zwischen ursprünglich verstreuten Informationen und trägt so zur
							Kontextualisierung der Objekte bei. Das CIDOC CRM gibt nicht den Inhalt
							der Dokumentation von Museumsobjekten vor, sondern legt Regeln für die
							logische Verknüpfung von Informationen fest.</p>
						<!-- Verweis auf das Linked Art Model ergänzen? -->
						<p>Als Inhaltsstandards sind vor allem die eng miteinander verwandten CDWA
							und Cataloging Cultural Objects (CCO) herangezogen worden (s. o.). Die
							Empfehlungen in CCO geben detaillierte Hinweise zur Erfassung für die in
							CDWA spezifizierten Elemente zur Beschreibung kultureller Güter und sind
							ein wichtiges Vorbild für das vorliegende Handbuch.</p>
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						<p>Außerdem wurde der vom Collections Trust entwickelte und vor allem im
							angelsächsischen Raum verbreitete Museumsstandard <ref
								target="https://collectionstrust.org.uk/spectrum/">Spectrum</ref>
							berücksichtigt. Spectrum hat seinen Fokus auf dem Sammlungsmanagement
							und ist primär durch die Definition von Arbeitsabläufen (procedures)
							strukturiert. Diesen Abläufen sind sogenannte Informationseinheiten
							(units of information) zugeordnet, die bei der LIDO-Spezifikation mit
							bedacht wurden und für die das LIDO-Schema Mappings bereitstellt. Somit
							bilden neben CIDOC CRM die Standards CDWA, CCO und Spectrum die
							Grundlage sowohl für die Auswahl der Kern-Datenfelder als auch für die
							folgenden Erfassungstipps.</p>
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						<p>Alle diese Standards dienen der Vereinheitlichung und konsistenten
							Erfassung von Daten und unterstützten damit die effiziente Suche und das
							verlässliche Auffinden von Informationen (Information-Retrieval). Sie
							dienen daher der Verbesserung der Qualität von Datenbankabfragen
							hinsichtlich der Genauigkeit und Vollständigkeit von Treffermengen. Auf
							diese Weise wird es erleichtert, Daten auszuwerten, zu teilen und
							Redundanzen bei der Datenerfassung zu vermeiden.</p>
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						<p rend="leading">Alle auf den genannten Standards basierenden, in diesem
							Handbuch veröffentlichten Empfehlungen sollen Ihnen Orientierung bei
							Ihren Ent- scheidungen geben, wenn Sie <list>
								<item>die Struktur Ihrer lokalen Datenbank festlegen.</item>
								<item>interne Schreibregeln verfassen und dabei die Erfordernisse
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									der Datenpublikation bereits bei der Erschließung
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									berücksichtigen wollen.</item>
								<item>Werke in Ihrer Sammlung digital erschließen.</item>
								<item>einen Datenexport planen.</item>
							</list>
						</p>
					</div>
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					<div xml:id="what_is_LIDO">
						<head n="2">Was ist LIDO?</head>
						<p rend="leading">Damit Metadaten, mit denen Museumsobjekte, ihre digitalen
							Abbildungen, beteiligte Personen und dergleichen beschrieben werden,
							maschinenlesbar sind und von externen Portalen korrekt ausgewertet
							werden können, sollten sie in einem Software-unabhängigen und
							standardisierten Format bereitgestellt werden. Das international
							etablierte Standard-Datenformat für den Austausch und die Weitergabe von
							Daten musealer Sammlungen heißt <ref
								target="http://network.icom.museum/cidoc/working-groups/lido/what-is-lido/"
								>LIDO = Lightweight Information Describing Objects</ref>. Dieses
							Metadatenschema legt <hi rend="bold">Regeln für die formale Struktur
							</hi> der Daten fest. Es gewährleistet die Bereitstellung von (Museums-)
							Objektinformationen in standardisierter Form. LIDO wurde 2010 vom <ref
								target="http://network.icom.museum/cidoc/">Comité International pour
								la Documentation (CIDOC)</ref> des Internationalen Museumsrats
							(ICOM) publiziert und wird seither von der <ref
								target="http://network.icom.museum/cidoc/working-groups/lido/">CIDOC
								LIDO Working Group</ref> entwickelt und gepflegt. Die Spezifikation
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							des Standards finden Sie hier: 
							<!-- Achtung: Die folgenden Links auf LIDO 1.1. setzen, wenn es publiziert ist -->
							<list>
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								<item>
									<hi rend="bold">LIDO v1.0 XML Schema Definition:</hi>
									<lb/>
									<ref target="www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0.xsd"
										>www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0.xsd</ref>
								</item>
								<item>
									<hi rend="bold">LIDO v1.0 Specification Document:</hi>
									<lb/>
									<ref
										target="www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-specification.pdf"
										>www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-specification.pdf</ref>
								</item>
								<item>
									<hi rend="bold">LIDO v1.0 HTML Reference:</hi>
									<lb/>
									<ref
										target="www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-schema-listing.html"
										>www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-schema-listing.html</ref>
								</item>
							</list>
						</p>
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						<p rend="leading">Es basiert sowohl auf dem internationalen Referenzmodell
							CIDOC Conceptual Reference Model (CIDOC CRM), als auch auf den XML
							Schemata CDWA Lite und museum-dat sowie auf Spectrum. Für die
							maschinelle Auswertung von Daten ist es wichtig, dass dieselbe Art von
							Information immer an derselben Stelle zu finden ist. Daher wird im
							Rahmen des LIDO-Schemas die Reihenfolge der LIDO-Elemente und damit der
							darin enthaltenen Informationen strikt festgelegt. Außerdem erhält jede
							Information einen Umschlag, der besagt, um welche Art von Information es
							sich handelt. So wie die Adresse auf einem Briefumschlag dafür sorgt,
							dass der Inhalt des Briefes beim richtigen Adressaten ankommt, so sorgt
							der Name des entsprechenden LIDO-Elements im Umschlag um die
							tatsächliche Information dafür, dass diese Information in einem
							Zielsystem richtig zugeordnet wird. So ist ein Personenname, der im
							Element „Event Actor“ auftaucht, immer der Name einer an einem
							Entstehungsereignis beteiligten Person, während ein Name im Element
							„Subject Actor“ immer der Name einer dargestellten Person ist. Damit
							wird gesteuert, ob beispielsweise der Name Albrecht Dürer im
							sammlungsübergreifenden Portal in der Rubrik „Hersteller“ oder aber in
							der Rubrik „Dargestellte Person“ angezeigt wird.</p>
						<p rend="leading">Der Vorteil der Anwendung eines solchen Metadatenschemas
							liegt darin, Daten aus unterschiedlichen Quellen, die meist in
							verschiedenen inhaltlichen Strukturen und technischen Formaten
							vorliegen, in ihrer formalen Struktur einander anzugleichen, damit sie
							ohne Informationsverlust in einem Zielsystem angezeigt und durchsucht
							werden können.</p>
					</div>
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					<div>
						<head n="2">Prinzipien von LIDO</head>
						<head n="3">Grundlagen der LIDO-Struktur</head>
						<p rend="leading">LIDO gliedert Informationen über Objekte des kulturellen
							Erbes in insgesamt sieben verschiedene Informationsgruppen. Diese
							Gruppen können weitere Untergruppen enthalten. Vier dieser Gruppen
							enthalten deskriptive Metadaten, drei weitere Gruppen enthalten
							administrative Metadaten.</p>
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						<p rend="leading">Deskriptiv: <list>
								<item>Object Classification</item>
								<item>Object Identification</item>
								<item>Events</item>
								<item>Object Relation</item>
							</list>
						</p>
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						<p rend="leading">Administrativ: <list>
								<item>Rights Work</item>
								<item>Record</item>
								<item>Resource</item>
							</list>
						</p>
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						<p rend="leading">Die Reihenfolge, in der die Informationen in einem
							LIDO-XML-Datensatz angezeigt werden, ist damit strikt festgelegt. Die
							Abfolge der Datenfelder im vorliegenden Handbuch richtet sich ebenfalls
							nach diesem LIDO-Schema und ist daher in entsprechende
							Informationsblöcke aufgeteilt. Diese Struktur weicht in Teilen stark von
							der Reihenfolge ab, in der Informationen üblicherweise im musealen
							Kontext angegeben werden, wie beispielsweise Künstler*in/Hersteller*in,
							Titel, Technik, Jahr. Damit dieses Handbuch ein geeignetes Werkzeug in
							der Vorbereitung von Datenexporten im LIDO-XML-Format sein kann, ist es
							jedoch notwendig, seine Gliederung am LIDO-Zielformat auszurichten.</p>
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						<p rend="leading">Die Informationsblöcke in diesem Handbuch sind: <list>
								<item>Identifier</item>
								<item>Objektklassifikation</item>
								<item>Objektidentifikation</item>
								<item>Entstehungsereignis</item>
								<item>Publikationsereignis</item>
								<item>Ausstellungsereignis</item>
								<item>Provenienz</item>
								<item>Thema/Bildinhalt</item>
								<item>Beziehungen zu anderen Objekten</item>
								<item>Rechte am Werk</item>
								<item>Informationen zum Datensatz</item>
								<item>Digitale Abbildungen</item>
							</list>
						</p>
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						<p rend="leading">Einige Informationen, die möglicherweise in der
							Erfassungsdatenbank in einem Feld zusammengefasst sind, werden im Sinne
							einer Präzisierung der Information in LIDO auf mehrere Elemente
							aufgeteilt oder mit verschiedenen Attributen versehen. Dies führt dazu,
							dass an einigen Stellen Informationen zu Gruppen geordnet wurden. Zum
							Beispiel gehört zur Gruppe <ref target="#creation_person_group"
								>Person/Personengruppe</ref> der Identifier (ID) der Person oder
							Gruppe (Organisation, Familie) aus einer Normdatei, der Name, die
							Lebens- oder Nachweisdaten, die Rolle im entsprechenden Ereignis und
							Hinweise zur Zuschreibung. Die meisten dieser Informationen werden
							üblicherweise im lokalen Datenbanksystem in einem Personen- oder
							Körperschaftsmodul verwaltet und können auch für die Anzeige in einer
							übergreifenden Portalanwendung wieder in einem Feld zusammen ausgegeben
							werden (vgl. hierzu den Abschnitt <ref
								target="#search_retrieval_optimization">Optimierung für die Suche
								und Anzeige</ref>).</p>

						<p rend="leading">Zwei Elemente sind besonders wichtig und enthalten
							dementsprechend zahlreiche mögliche Unterelemente: <list type="ordered">
								<item>Das Event Set. Es dient der Beschreibung einzelner Ereignisse
									in der Objektgeschichte. Typische Informationen, die hier
									dargestellt werden, sind: <list type="ordered">
										<item>Event Type: Art des Ereignisses, z. B. Auftrag,
											Entwurf, Herstellung, Ausstellung etc.</item>
										<item>Event Actor: Nennung der am Ereignis beteiligten
											Person(en)</item>
										<item>Event Date: Datum des Ereignisses</item>
										<item>Event Place: Ort, an dem das Ereignis stattgefunden
											hat</item>
										<item>Materials / Technique: Nennung der beim Ereignis
											verwendeten Materialien und Techniken, z. B. <ref
												target="http://vocab.getty.edu/aat/300015050"
												>Ölfarbe</ref>, <ref
												target="http://vocab.getty.edu/aat/300011443"
												>Marmor</ref>, <ref
												target="http://vocab.getty.edu/aat/300054216">Malen
												(Herstellen von Bildern)</ref>
										</item>
									</list>
								</item>
								<item>Das Subject Set: Es dient zur Nennung aller dargestellten
									Inhalte, wie dargestellte Person (Subject Actor Set = z. B.
									Martin Luther), historisches Ereignis (Subject Event Set = z. B.
									Krönung Napoleons) oder Thema (Subject Concept = z. B.
									Marienkrönung) oder dargestelltes Werk (z. B. Petersdom, Goethes
									Faust).</item>
							</list>
						</p>

						<p rend="leading">LIDO organisiert Informationen in Sets. Ein Set kann durch
							verschiedene Attribute (Eigenschaften) spezifiziert werden. So teilt das
							so genannte Language-Attribut mit, in welcher Sprache die Datenwerte
							erfasst worden sind. Das kann zum Beispiel dafür genutzt werden, in
							einer englischen Nutzeroberfläche eines Portals die englischen Inhalte
							automatisch bevorzugt anzuzeigen oder der Nutzer kann in die Lage
							versetzt werden, selbst eine bestimmte Sprache auszuwählen. Darüber
							hinaus gibt es Source-Attribute, die zur Angabe der Quelle, aus der eine
							Information stammt, genutzt werden können. Schließlich gibt es noch
							Typ-Attribute, die den Charakter einer Information näher beschreiben und
							maschinell auswertbar machen. So benennen Event Types zum Beispiel
							verschiedene Arten von Ereignissen, wie Entwurf, Herstellung, Erwerbung
							oder gar Zerstörung.</p>
						<p rend="leading">Sets können mehrfach wiederholt werden. Sets mit
							Informationen derselben Art werden in einen Umschlag (= Wrapper)
							gesteckt. Die Umschlagelemente dienen dazu, den Dateninhalt sinnvoll zu
							strukturieren, da die Umschläge – wie bei einer russischen Matrjoschka –
							in einander verschachtelt sein können: Zum Beispiel befindet sich im
							Umschlag für die Objektidentifikation der Umschlag für den Titel. In
							diesem Umschlag können wiederum unterschiedliche Sets für verschiedene
							Arten von Titeln enthalten sein.</p>

						<!-- Beispiel für ein Bild -->
						<p rend="leading">
							<figure>
								<graphic url="../img/rembrandt.jpg"/>
								<figDesc>Abb. # Johannes Vermeer, Die Milchmagd, Öl auf Leinwand, um
									1660, Amsterdam, Rijksmuseum Inv. Nr. SK-A-2344</figDesc>
							</figure>
						</p>

						<!-- Beispiel für die Darstellung von XML -->

						<p rend="code"> &lt;lido:titleWrap&gt; &lt;lido:titleSet
							lido:type="http://vocab.getty.edu/aat/300417200"&gt;
							&lt;lido:appellationValue&gt; <hi rend="bold">Het melkmeisje</hi>
							&lt;/lido:appellationValue&gt; &lt;/lido:titleSet&gt; &lt;lido:titleSet
							lido:type="http://vocab.getty.edu/aat/300417204"&gt;
							&lt;lido:appellationValue&gt; <hi rend="bold">Junge Magd beim
								Einschenken von Milch</hi>&lt;/lido:appellationValue&gt;
							&lt;/lido:titleSet&gt; &lt;/lido:titleWrap&gt; </p>



						<p rend="leading">Das Beispiel oben zeigt, wie unterschiedliche Titel eines
							Werks jeweils in einem Set abgelegt werden. Das Typ-Attribut
							kennzeichnet jeweils die Art des Titels. Der Umschlag klammert die
							Gruppe der Titel-Sets.</p>

						<p rend="code"> &lt;lido:titleWrap&gt; &lt;lido:titleSet&gt;
							&lt;lido:appellationValue xml:lang="nl"&gt;<hi rend="bold">Het
								melkmeisje</hi>t&lt;/lido:appellationValue&gt;
							&lt;lido:appellationValue xml:lang="en"&gt;<hi rend="bold">The
								Milkmaid</hi>&lt;/lido:appellationValue&gt;
							&lt;lido:appellationValue xml:lang="de"&gt;<hi rend="bold">Die
								Milchmagd</hi>&lt;/lido:appellationValue&gt; &lt;/lido:titleSet&gt;
							&lt;/lido:titleWrap&gt; </p>


						<p rend="leading">Das Beispiel zeigt die Kennzeichnung von Sprachvarianten
							des Titels mithilfe des Attributs xml:lang, das innerhalb des Titel-Sets
							dem jeweiligen Titel zugeordnet wird. Das Sprachattribut kann dazu
							verwendet werden, den Titel des Werks gemäß der gewählten Sprache in
							einer Portaloberfläche anzuzeigen. In einem Online-Katalog, der das Werk
							mit englischen Metadaten beschreibt, würde nur der englische Titel
							angezeigt, wobei die Sprachvarianten eines Titels auch für die Suche zur
							Verfügung stehen.</p>

						<p rend="leading">Ein LIDO-Datensatz soll in sich vollständig sein. Das
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							heißt, wenn ein LIDO-Datensatz Teil einer umfassenderen Datenlieferung
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							ist, sollte er auch dann noch verständlich sein, wenn im Extremfall alle
							anderen Datensätze verschwunden sind.</p>
					</div>
					<div>
						<head n="3">Ereignistypen in LIDO</head>

						<p rend="leading">Ein wesentliches Grundprinzip des LIDO-XML-Schemas ist –
							in Übereinstimmung mit dem zugrunde liegenden Referenzmodell CIDOC-CRM –
							die Zuordnung einzelner Informationen zu Ereignissen, die einem Objekt
							widerfahren können. Diese können je nach Art des im Datensatz
							beschriebenen Objekts sehr unterschiedlich sein. Da in Portalen
							zunehmend Daten aus verschiedenen Institutionen und in verschiedenen
							Formaten zusammengeführt und so aufbereitet werden müssen, dass optimale
							Recherche-Ergebnisse erzielt werden können, entstand in den vergangenen
							Jahren das Desiderat, das in Bibliotheken gebräuchliche konzeptuelle
							Referenzmodell <ref
								target="https://www.ifla.org/publications/functional-requirements-for-bibliographic-records"
								>Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR)</ref> mit
							dem für den musealen Bereich etablierten CIDOC-CRM zu harmonisieren. Um
							also Daten aus Bibliotheken mit Daten aus Museen interoperabel zu
							machen, wurde ein gemeinsames objekt-orientiertes Referenzmodell
							entwickelt, das unter dem Titel <ref
								target="https://www.ifla.org/publications/node/11240">"Definition of
								FRBRoo – A Conceptual Model for Biblio-graphic Information in
								Object-Oriented Formalism"</ref> 2009 veröffentlicht wurde. Dieses
							theoretische Modell bildete die Grundlage für die aktuellen im
							LIDO-XML-Schema empfohlenen <hi rend="bold">Ereignistypen</hi>, die im
							Folgenden exemplarisch dargestellt werden. </p>
						<p rend="leading">Bei <hi rend="bold">unikalen Werken</hi> gibt es in der
							Regel nur ein zentrales Ereignis, das zur Entstehung eines Objekts
							geführt hat. Eine Künstlerin oder ein Künstler hat an einem Ort zu einem
							bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum unter Verwendung
							ausgewählter Materialien und Techniken ein Werk geschaffen. Zum Beispiel
							hat Peter Paul Rubens (1577-1640) in Antwerpen um 1609-1610 mit Öl auf
							Leinwand ein Doppelporträt von seiner Frau Isabella Brant und sich
							selbst gemalt. Das Gemälde mit dem Titel <ref
								target="https://www.sammlung.pinakothek.de/de/bookmark/artwork/A9xleZEMLW"
								>„Rubens und Isabella Brant in der Geißblattlaube“</ref> befindet
							sich heute in der Alten Pinakothek in München. Dieses eine Ereignis, das
							zur Entstehung des Gemäldes geführt hat, erhält im LIDO-Metadatenschema
							den Ereignis-Typ <hi rend="bold">Herstellung</hi> = <ref
								target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/production"
								>http://terminology.lido-schema.org/eventType/production</ref>. Die
							genannten Informationen zur beteiligten Person, dem Ort, Zeitraum und
							den verwendeten Materialien werden im Rahmen eines Datenexport im
							LIDO-XML-Schema innerhalb eines Event Sets abgelegt und bleiben so auch
							im Rahmen eines Datenaustauschs eng mit einander verknüpft. </p>
						<p rend="leading">Bei <hi rend="bold">Auflagenwerken</hi>, wie
							Bronzeabgüssen, können jedoch verschiedene Ereignisse voneinander
							unterschieden werden, die unterschiedliche Etappen im Entstehungsprozess
							markieren und von verschiedenen Personen an verschiedenen Orten zu
							unterschiedlichen Zeitpunkten ausgeführt werden können. Dies sei an
							einem Beispiel verdeutlicht: Gordon Bunshaft, der Architekt der New
							Yorker Chase Manhattan Bank, beauftragt gemeinsam mit dem New Yorker
							Kunsthändler Pierre Matisse den Künstler Alberto Giacometti im Jahr 1958
							damit, eine Figurengruppe für die davor liegende Plaza zu entwickeln.
							Alberto Giacometti (1901-1966) arbeitet in seinem Pariser Atelier ab
							Februar 1959 an einem großen Gipsmodell eines schreitenden Mannes, das
							später unter dem Titel „Homme qui marche I“ Teil einer dreiteiligen
							Skulpturengruppe werden soll. Die Herstellung der Bronzeabgüsse auf der
							Grundlage der Gipsmatrize findet im Frühjahr 1960 in der Gießerei „Susse
							Fondeur“ in Paris statt. Dazu wird das von Alberto Giacometti
							geschaffene Modell zuerst in insgesamt vier Einzelteile zersägt und dann
							einzeln abgeformt. Die Bronzen werden anschließend in der Gießerei
							patiniert. Einzelne Exemplare werden zusätzlich vom Künstler bemalt.
							1962 stellt Giacometti ein Exemplar der Figurengruppe auf der Biennale
							in Venedig aus und wird dafür mit dem Großen Preis für Bildhauerei
							ausgezeichnet. 1964 installiert Alberto Giacometti schließlich die
							ehemals für die Chase Manhattan Plaza geplante, an diesem Ort jedoch
							nicht realisierte Figurengruppe im Hof der Fondation Maeght in
							St.-Paul-de-Vence. Hierbei handelt es sich um eine bemalte Version. Das
							Werk selbst ist so berühmt geworden, das es seit 1998 die
							100-Franken-Note ziert. </p>
						<p rend="leading">Wie werden diese Ereignis-Typen in LIDO abgebildet? <list
								type="ordered">
								<item>Zuerst gibt es den <hi rend="bold">Auftrag</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/commissioning"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/commissioning</ref>,
									der 1958 von Gordon Bunshaft und Pierre Matisse an Alberto
									Giacometti erteilt wurde. </item>
								<item>Die Entscheidung des Künstlers, eine männliche schreitende
									Figur gemeinsam mit einer stehenden Frau und einer großen
									Kopfplastik zu einem Figuren-Ensemble zusammenzufassen, ist eine
									konzeptuelle, vorbereitende Tätigkeit. Sie gehört zum
									Ereignis-Typ der <hi rend="bold">Idee</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/work_conception"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/work_conception</ref>.</item>
								<item>Alberto Giacometti formt 1959 das Gipsmodell = <hi rend="bold"
										>Herstellung</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/production"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/production</ref>).</item>
								<item>In der Gießerei werden 1960 die einzelnen Bronzen gegossen.
									Das entspricht der <hi rend="bold">Herstellung des
										Exemplars</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/carrier_production"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/carrier_production</ref>).
									Auch die Patinierung der Bronze gehört zum Ereignis der
									Herstellung des individuellen Exemplars. In den Fällen, wo der
									einzelne Bronze-Abguss zusätzlich vom Künstler bemalt worden
									ist, gehört dieser Arbeitsschritt ebenfalls zum Ereignis der
									Herstellung des Exemplars. Dann werden zwei Akteure zum selben
									Ereignis zugeordnet – die Gießerei Susse Fondeur und der
									Künstler selbst, jeweils in unterschiedlichem Ausmaß der
									Partizipation.</item>
								<item>Die Ausstellung der Figurengruppe auf der Biennale in Venedig
									1962 wird in LIDO als <hi rend="bold">Ausstellungsereignis</hi>
									abgebildet = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/exhibition"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/exhibition</ref>.</item>
								<item>Schließlich wird eine Gruppe von der Fondation Maeght 1964
									erworben. Diese Tatsache wird im Rahmen des Ereignisses der <hi
										rend="bold">Erwerbung</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/acquisition"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/acquisition</ref>
									beschrieben.</item>
							</list>
						</p>

						<p rend="leading">Die Tatsache, dass das Werk auf Geldscheinen dargestellt
							ist, wird hingegen nicht als eigenes Ereignis beschrieben, sondern es
							handelt sich um ein neues Objekt, das mit der Bronze Giacomettis in
							einer inhaltlichen Beziehung steht und demzufolge im Datensatz innerhalb
							eines Related Work Sets erscheint. Außerdem gibt es eine enge
							inhaltliche Beziehung zwischen den drei Teilen der Figurengruppe. Auch
							diese kann mithilfe eines Related Work Sets in strukturierter Form
							dargestellt werden. Und schließlich kann auf die zweite von Alberto
							Giacometti geschaffene Version des schreitenden Man-nes „Homme qui
							marche II“ in einem eigenen Related Work Set verwiesen werden.</p>

						<p rend="leading">Warum ist die Trennung dieser Ereignisse sinnvoll? Es
							führt zu einer Präzisierung von Informationen, wenn in den
							beschreibenden Metadaten genau unterschieden wird, wer in welcher Etappe
							wo, wann, was gemacht hat. Denn die einzelnen Etappen können unter
							Umständen zu deutlich unterschiedlichen Zeitpunkten unter Beteiligung
							verschiedener Personen stattgefunden haben. Im genannten Beispiel haben
							wir nicht nur ein Datum, wie es üblicherweise in Ausstellungskatalogen
							zur Beschreibung des Werks genannt wird, sondern mindestens fünf genau
							datierbare Ereignisse. Alberto Giacometti gehört zu den am häufigsten
							gefälschten Künstlern. Je präziser seine Werke beschrieben werden, desto
							besser ist die Datenlage, aufgrund derer man sein Oeuvre rekonstruieren
							und Fälschungen erkennen könnte. Die genaue Beschreibung der einzelnen
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							Ereignisse trägt dazu bei, in einem übergeordneten Portal die
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							Informationen aus verschiedenen Sammlungen logisch mit einander zu
							verknüpfen. Dabei gilt es, bei allen Auflagenwerken genau zu
							unterscheiden, was in einem einzelnen Datensatz beschrieben wird: Ist es
							ein konzeptuelles Werk – also die Summe aller Eigenschaften, die auf
							alle Exemplare dieses Werks zutreffen? Oder handelt es sich um ein
							konkretes Exemplar aus dem Bestand einer bestimmten Sammlung? (siehe
							auch: <ref target="#ACHTUNG DUMMY">Erschließungsebenen</ref>) Jede
							Sammlung tendiert dazu, nur die eigenen Objekte zu betrachten und
							demzufolge auf das einzelne Exemplar bezogene Informationen bevorzugt zu
							erfassen. Dabei wird vernachlässigt, dass es in anderen Sammlungen
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							weitere Exemplare desselben Werks geben könnte. In einem Portal sollte
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							man hingegen alle Abgüsse in einem Suchergebnis zusammenfassen können,
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							die auf dieselbe Urform zurückgehen, um beispielsweise die Patinierung
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							der unterschiedlichen Exemplare zu vergleichen oder um festzustellen, ob
							die angegebene Auflagenhöhe mit der Anzahl tatsächlich vorhandener
							Exemplare übereinstimmt. Das gelingt aber nur, wenn die beschreibenden
							Metadaten die gleiche formale und inhaltliche Struktur aufweisen.</p>


						<p rend="leading">Marcel Duchamp (1887-1968) verwendete für seine berühmten
							Readymades Gebrauchsgegenstände, die er allein mittels seiner Signatur
							und durch die Art ihrer Präsentation in musealen Räumen in einen neuen
							Kontext setzte und diese Neuinszenierung als Kunst erklärte. Nehmen wir
							als Beispiel das handelsübliche Pissoir, das Duchamp umgekehrt
							aufstellte, mit 1917 datierte und in Anlehnung an den ursprünglichen
							Hersteller, die Firma J. L. Mott, mit der Signatur eines Pseudonyms „R.
							Mutt“ versah. Dieses Werk wurde unter dem Titel „Fountain“ zunächst bei
							der Jahresausstellung der Society of Independent Artists im April 1917
							eingereicht, nach großem Protest jedoch dort nie gezeigt und nur eine
							Woche später in der New Yorker Galerie 291 ausgestellt. Das Original ist
							heute verschollen und nur durch ein Foto von Alfred Stieglitz
							rekonstruierbar. Auf der Grundlage des Fotos wurden einige Repliken
							hergestellt.</p>

						<p rend="leading">Auch diese Objektgeschichte lässt sich anhand
							verschiedener LIDO-Ereignistypen in strukturierter Form beschreiben.
								<list type="ordered">
								<item>1) Zunächst ist die rein konzeptuelle Entscheidung von Marcel
									Duchamp, ein Pissoir zum Kunstwerk zu erklären, wieder dem
									Ereignis <hi rend="bold">Idee</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/work_conception"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/work_conception</ref>
									zuzuweisen.</item>
								<item>2) Da Duchamp das Urinal jedoch tatsächlich mit in schwarzer
									Lackfarbe aufgebrachter Signatur und Datierung veränderte, gibt
									es noch ein weiteres Ereignis, nämlich die <hi rend="bold"
										>Umgestaltung</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/transformation"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/transformation</ref>.
									Obwohl Duchamp – mit Ausnahme der Signatur – nicht die physische
									Gestalt des Objekts verändert hat, so hat er doch ihre Bedeutung
									in erheblicher Weise umgeformt und en passant ihren monetären
									Wert extrem gesteigert.</item>
								<item>3) Schließlich gibt es das Ereignis der <hi rend="bold"
										>Ausstellung</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/exhibition"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/exhibition</ref>
									in der Galerie 291 Fifth Avenue, New York. Das kuriose Ereignis
									der Nicht-Ausstellung bei der Jahresausstellung lässt sich nicht
									in strukturierter Form beschreiben.</item>
								<item>4) Den Moment des Verlusts des Originals kann man theoretisch
									mit einem LIDO-Ereignis <hi rend="bold">Verlust</hi> = <ref
										target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/loss"
										>http://terminology.lido-schema.org/eventType/loss</ref>
									beschreiben, doch im konkreten Fall sind Ort und Zeitpunkt des
									Verlusts unbekannt. Ohne konkrete Dateninhalte braucht man auch
									kein eigenes Ereignis anzulegen. </item>
							</list>
						</p>
						<p rend="leading">Das Foto des Werks von Alfred Stieglitz müsste in einem
							eigenen Datensatz beschrieben und dann mit dem Datensatz zum Readymade
							Duchamps über eine definierte Relation verknüpft werden, da sich die
							objektbezogenen Informationen stark ändern, je nachdem ob ein Foto oder
							aber das zugrunde liegende Werk selbst im Fokus des Datensatzes stehen.
							Der Urheber des Fotos ist Alfred Stieglitz, der Urheber des Readymades
							ist Marcel Duchamp. Das Werk von Duchamp ist Thema des Werks von Alfred
							Stieglitz.</p>
						<p>Kann keine verlässliche Zuordnung zu einem der oben erläuterten
							Ereignistypen getroffen werden, bleibt dieser mit folgender Angabe
							unspezifiziert:</p>
						<list>
							<item>Ohne Typzuordnung = Unspecified event</item>
						</list>
					</div>
					<div>
						<head n="3">Mehrsprachigkeit</head>
						<p rend="leading">LIDO unterstützt die Mehrsprachigkeit von
							Erschließungsinformationen auf zwei verschiedene Arten:</p>
						<list>
							<item>Unterschiedliche Sprachvarianten für einzelne LIDO-Elemente: Wenn
								eine Information in einem einzelnen Datenfeld in mehreren Sprachen
								erfasst wurde, kann das entsprechende LIDO-Element, in dem diese
								Information ausgegeben wird, unter Ergänzung des jeweilige
								Sprachattributs wiederholt werden. Ein typischer Fall ist z. B.,
								dass ein Titel als Originaltitel etwa in Latein und zusätzlich in
								einer deutschen Übersetzung vorliegt. Dann wird nur das Titelelement
								wiederholt.</item>
							<item>Vollständig mehrsprachige Erfassung: Wenn in einem lokalen System
								die vollständige Information zu einem Objekt in zwei (oder mehreren)
								Sprachen vorliegt, kann auch der LIDO-Datensatz in zwei (oder
								mehreren) separaten Strukturelementen für die deskriptiven Daten
								geliefert und im Portal ausgegeben werden. Dafür müssen sowohl das
								gesamte <hi rend="italic">Descriptive Metadata Set</hi> als auch das
								gesamte <hi rend="italic">Administrative Metadata Set </hi> pro
								Sprache vollständig wiederholt und jeweils mit dem entsprechenden
								Sprachattribut versehen werden. Dies hat zur Folge, dass bei der
								Sprachumschaltung der Portaloberfläche die in der ausgewählten
								Sprache vorliegenden Objektinformationen bevorzugt angezeigt
								werden.</item>
						</list>
						<p>Grundsätzlich ist die Angabe der Sprache, in welcher die Daten geliefert
							werden, auf den Ebenen von Descriptive Metadata Set und Administrative
							Metadata Set über das Sprachattribut Pflicht.</p>
					</div>
					<div>
						<head n="3">Wohlgeformtheit und Validität</head>
						<p rend="leading">Die Abkürzung XML steht für Extensible Markup Language, zu
							Deutsch „Erweiterbare Auszeichnungssprache“. XML-Daten bestehen aus
							XML-Elementen (auch als Tags bezeichnet) und den darin enthaltenen
							Informationen, den Elementinhalten. XML-Elemente sind ineinander
							verschachtelbar, so dass eine hierarchische Struktur aufgebaut werden
							kann. Die Erweiterbarkeit von XML ermöglicht die Definition eigener
							Elemente und Regeln, mit deren Hilfe die Elementinhalte markiert werden
							können. Die Markierung kann je nach Kontext semantischer,
							typographischer oder auch datentechnischer Natur sein. Ein XML-Dokument
							ist sowohl von Menschen als auch von Maschinen lesbar. Die Speicherung
							als Text erlaubt einen software- und plattformunabhängigen Zugriff auf
							XML-Dokumente, die von vielen modernen Programmiersprachen verarbeitet,
							ausgewertet und modifiziert werden können.</p>
						<p>Die syntaktischen Regeln von XML können mit Hilfe eines XML-Schemas
							(engl. XML Schema Definition, kurz XSD) erweitert werden. Die Regeln in
							XML-Schemata können beispielsweise die Reihenfolge der Elemente
							vorschreiben und außerdem ihre Attribute und Inhalte festlegen. Die
							Überprüfung, ob ein XML-Dokument nach den Regeln eines XML-Schemas
							aufgebaut ist, nennt man Validierung.</p>

						<p>In Hinblick auf die Datenqualität ist die Möglichkeit der Validierung
							sehr wertvoll. Bei Vorliegen eines XML Schemas, das die gewünschte
							Struktur der XML-Daten definiert, kann mit Hilfe eines XML-Validators
							geprüft werden, ob die Daten schemakonform sind. Bevor ein
							Metadatenexport in LIDO-XML bereitgestellt wird, sollte er gegen das
								<ref target="www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0.xsd">
								LIDO-XML-Schema</ref> auf seine <hi rend="bold">Wohlgeformtheit</hi>
							<lb/> und <hi rend="bold">Validität</hi>
							<lb/> hin geprüft werden.</p>
						<p>Die Struktur eines XML-Dokuments ist dann wohlgeformt, wenn sie nach den
							syntaktischen Vorgaben der XML-Beschreibungssprache aufgebaut ist. Eine
							einfache und allgemein bekannte Syntaxregel besagt, dass XML-Elemente
							paarig sein müssen, dass also auf ein Start-Tag (z. B. &lt;lido:lido&gt;
							ein entsprechendes End-Tag (z. B. &lt;/lido:lido&gt;) folgen muss. Die
							Wohlgeformtheit eines XML-Dokuments lässt sich mit allen XML-Editoren
							überprüfen.</p>

						<p rend="leading">Für das LIDO-Format gibt es ein XML-Schema, das in
							Hinblick auf den Datenaustausch eine erhebliche Erleichterung bietet.
							Mit Hilfe des LIDO-XML- Schemas kann das LIDO-XML-Dokument validiert und
							somit überprüft werden, ob es regelkonform aufgebaut ist. Auf diese
							Weise lassen sich sehr leicht die strukturellen Fehler in einem
							LIDO-Export lokalisieren. Um ein LIDO-XML-Dokument zu validieren, muss
							das LIDO-XML-Schema mit dem LIDO-XML-Dokument verknüpft werden. Dazu
							muss das Wurzelelement des Dokuments (lido:lidoWrap) wie folgt
							aussehen:</p>
						<p rend="code"> &lt;lido:lidoWrap xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink"
							xmlns:html ="http://www.w3.org/1999/xhtml"
							xmlns:lido="http://www.lido-schema. org"
							xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance"
							xsi:schemaLocation="http://www.lido-schema.org
							http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0.xsd"&gt; </p>
						<p rend="leading">Eine Erläuterung der einzelnen Attribute des Elements
							lidoWrap würde an dieser Stelle zu weit führen. Bei Interesse sollten
							Sie sich mit XML weitergehend auseinandersetzen. Für den LIDO-Export
							jedoch genügt es, das Wurzelelement in der oben zitierten Form zu
							übernehmen. Die eigentliche Validierung des LIDO-XML-Dokuments kann
							wiederum über einen XML-Editor, über XML-Validierungsprogramme wie
							xmllint oder auch über Online-Tools erfolgen. Wenn das XML-Dokument
							valide ist, erhalten Sie eine entsprechende Meldung. Sollte die Struktur
							des Dokuments noch nicht den Regeln entsprechen, gibt der Validator
							Fehlermeldungen aus, die den Regelverstoß beschreiben.</p>
						<p rend="leading">Voraussetzungen für ein valides LIDO-XML-Dokument sind
							insbesondere: <list>
								<item>Alle Pflichtelemente müssen belegt sein.</item>
								<item>Die Elementreihenfolge muss berücksichtigt werden.</item>
								<item>Die Sprache des Dokuments bzw. der Dokumentteile muss über das
									Attribut xml:lang in den Elementen Administrative Metadata und
									Descriptive Metadata deklariert werden.</item>
								<item>Groß- und Kleinschreibung der LIDO-Elementnamen müssen
									schemakonform umgesetzt werden.</item>
							</list>
						</p>
						<!-- Achtung: Die folgenden Links auf LIDO 1.1. setzen, wenn es publiziert ist -->
						<p rend="leading">Eine ausführliche, eher technisch orientierte Darstellung
							aller LIDO-Elemente finden Sie hier: <ref
								target="http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-specification.pdf"
								>http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-specification.pdf</ref>
							bzw. <ref
								target="http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-schema-listing.html"
								>http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-schema-listing.html</ref>
						</p>
					</div>
					<div>
						<head n="2">Allgemeine Empfehlungen für die Erfassung</head>
						<p rend="leading">Wenn man die digitale Erschließung einer Sammlung plant,
							muss zwischen der gewünschten Erschließungstiefe und den vorhandenen
							zeitlichen und personellen Ressourcen abgewogen werden. Einzelne
							Datenfelder werden daher als Pflichtfelder markiert, deren Belegung bei
							jedem Objekt obligatorisch ist. Bei anderen Datenfeldern liegt es
							hingegen im Ermessen des Datenlieferanten, ob die entsprechenden Daten
							erfasst und exportiert werden sollen.</p>
					</div>
					<div>
						<head n="3">Pflichtfelder</head>
						<p rend="leading">LIDO hat nur sechs Pflichtelemente, die für jeden
							Datensatz zu liefern sind: <hi rend="bold">Objekttyp, Titel des Werks,
								Datensatztyp </hi>(Einzelobjekt, Gruppe), <hi rend="bold"
								>Datensatznummer, Datensatzquelle</hi> und <hi rend="bold">Nummer
								des L IDO-Datensatzes</hi>. Nur die ersten drei Elemente müssen von
							Hand erfasst werden, die anderen drei Elemente werden automatisch
							generiert.</p>
						<p>Für die Präsentation und Recherche von Erschließungsdaten in Portalen
							sind die Belegung und der Export verschiedener weiterer Felder
							notwendig. Das Handbuch schlägt hier neben den genannten Pflichtfeldern
							zwei weitere Stufen vor:</p>
						<list>
							<item>Pflicht, wenn vorhanden</item>
							<item>empfohlen</item>
						</list>
						<p rend="leading">Die mit <hi rend="italic">Pflicht, wenn vorhanden</hi>
							markierten Felder sollten immer erfasst und weitergegeben werden, wenn
							eine Information zu dem Sachverhalt vorliegt oder mit vertretbarem
							Aufwand ermittelt werden kann. Die im Katalog mit <hi rend="italic"
								>Empfohlen</hi> markierten Felder sollten im Idealfall im Export
							enthalten sein, um die Zuverlässigkeit der Suchergebnisse zu erhöhen und
							ein bestimmtes Erschließungsniveau innerhalb der Objektbeschreibungen
							abzusichern. Grundsätzlich entscheidet aber jede Sammlung selbst, welche
							Informationen weitergegeben werden sollen.</p>
						<p rend="leading">Als Faustregel kann gelten: Wichtiger als die Menge an
							erfassten Daten ist die Konsistenz und Qualität dieser Daten.</p>
						<p rend="leading">Das bedeutet:</p>
						<list>
							<item>Die Informationen zu den Sammlungsobjekten sollten bei allen
								Datensätzen jeweils gemäß einheitlichen Regeln für die
								Informationsstrukturierung auf die einzelnen Datenfelder aufgeteilt
								werden.</item>
							<item>Jedes Datenfeld sollte stets nur für Informationen einer Art
								verwendet werden. Beispielsweise ist es zu vermeiden, den Namen
								einer Künstlerin oder eines Künstlers mit Informationen zur
								Zuschreibung eines Werks an diese Person in einem Datenfeld zu
								vermischen, da sonst der Datensatz bei einer Suche nach dem
								entsprechenden Künstlernamen womöglich nicht gefunden werden
								kann.</item>
							<item>Je feiner aufgegliedert die Informationen sind, desto präziser
								sind die Suchergebnisse und desto eher ist es möglich, durch die
								Kombination von Suchfiltern besondere Forschungsfragen zu
								beantworten.</item>
						</list>
						<p rend="leading">An vielen Stellen wird Ihnen die Empfehlung begegnen,
							nicht nur Begriffe aus kontrolliertem Vokabular zu verwenden, sondern
							diese möglichst durch einen Uniform Resource Identifier (URI) zu
							ergänzen. Dadurch wird die Voraussetzung für eine Nutzung in Linked
							Data- und Semantic Web-Applikationen geschaffen. Ein grundlegendes
							Postulat des Linked- Data-Konzepts ist, dass nicht Webseiten, sondern
							Informationen über Entitäten der realen Welt – bestimmte Personen,
							Personengruppen (wie Organisationen, Familien), Orte, Ereignisse,
							Objekte, Begriffe etc. – verlinkt werden. Der URI fungiert in diesem
							Rahmen als eindeutige, persistente Identifikation für die jeweilige
							Entität, der ihre maschinelle Identifizierung erlaubt. Varianten der
							natürlichsprachigen Bezeichnung, wie unterschiedliche Namensformen oder
							verschiedene Sprachen, stellen kein Hindernis für diesen
							Identifikations- und Vernetzungsprozess mehr dar. Nutzt man URIs der in
							diesem Handbuch empfohlenen umfangreichen, weit verbreiteten und mit
							offenen Lizenzen versehenen Normdaten, Vokabulare und Klassifikationen,
							die von vertrauenswürdigen Gedächtnisinstitutionen gepflegt werden, wird
							die webbasierte Vernetzung von verteilten Informationen zu den
							jeweiligen Entitäten wesentlich erleichtert und oftmals überhaupt erst
							möglich.</p>
					</div>

					<div>
						<head n="3">Kontrolliertes Vokabular</head>
						<p rend="leading">Der wissenschaftliche Mehrwert eines Portals im Vergleich
							zu einer hauseigenen Online-Datenbank entsteht , wenn auf mehrere
							Sammlungen verteilte Informationen zusammengeführt und miteinander
							verknüpft werden und dadurch neue Aussagen ermöglicht werden. Das
							gelingt umso besser, je mehr Verknüpfungspunkte es gibt. Die
							Voraussetzung für solche inhaltlichen Verknüpfungen von Daten bilden
							gemeinsam genutzte kontrollierte Vokabulare. Sie leisten eine eindeutige
							Begriffsdefinition ihrer Gegenstände, weisen dem Begriff Bezeichnungen
							in verschiedenen Sprachen und Schreibweisen zu und ordnen ihn häufig in
							eine Hierarchie ein. Neben einer Vorzugsbezeichnung enthalten
							kontrollierte Vokabulare synonyme Bezeichnungen (= verschiedene
							Bezeichnungen für den gleichen Begriff) und leisten die Abgrenzung von
							Homonymen (= gleiche Bezeichnungen für verschiedene Begriffe). Während
							es früher unabdingbar war, die im Vokabular festgelegte
							Vorzugsbezeichnung für einen Sachverhalt bei der Erfassung der eigenen
							Sammlungsobjekte zu verwenden, wird die dahinter stehende
							Verknüpfungsfunktion heute zunehmend vom URI als eindeutigem
							Identifikator des Begriffs übernommen.</p>
						<p>Deshalb sollten bereits in der Erfassungsdatenbank, spätestens aber beim
							Datenexport, Referenzen auf kontrollierte Vokabulare hergestellt werden
							können. Dafür müssen die Identifikatoren des Datensatzes aus dem
							jeweiligen Vokabular verwendet werden, wie beispielsweise dem Art &amp;
							Architecture Thesaurus (AAT) vom Getty Research Institute oder der
							Gemeinsamen Normdatei (GND) der Deutschen Nationalbibliothek. Wenn der
							eine „Porträt“ schreibt, der andere „Bildnis“ und der dritte „Portrait“,
							dann wird es nicht gelingen, alle entsprechend bezeichneten Werke in
							einem Suchergebnis zusammenzuführen. Das heißt, eine Nutzerin oder ein
							Nutzer würde einen Datensatz nicht finden, wenn sie oder er mit einer
							anderen Bezeichnung sucht, als sie bei der Erfassung verwendet wurde.
							Ist hingegen in den Daten stets derselbe URI hinterlegt, z. B. <ref
								target="http://vocab.getty.edu/aat/300015637"
								>http://vocab.getty.edu/aat/300015637</ref>, so kann man in einer
							Portalanwendung die im AAT-Datensatz hinterlegten synonymen und auch
							anderssprachigen Bezeichnungen auswerten und für die Suche zur Verfügung
							stellen. Das bedeutet, Erfasser können sich für eine bestimmte
							Bezeichnung entscheiden, aber sie sollten, wann immer möglich, durch das
							Ergänzen des URIs des passenden Normdatensatzes dafür sorgen, dass
							dessen Inhalte in den einzelnen Datensätzen nachträglich angereichert
							werden können. Wie die Verknüpfung mit Vokabular-Datensätzen aus extern
							(d. h. nicht im eigenen Erfassungssystem) gepflegten kontrollierten
							Vokabularen erfolgt, ist von Erfassungssystem zu Erfassungssystem
							unterschiedlich und muss in den lokalen Erfassungsregeln festgelegt
							werden. Wenn nicht direkt mit einem externen Vokabular erfasst wird, ist
							es eine Möglichkeit, für die lokal verwendeten Bezeichnungen den
							entsprechenden URI des externen Vokabulars in einer Konkordanz zu
							hinterlegen. Dabei kommt es nicht auf die Passgenauigkeit der gewählten
							Vorzugsbezeichnungen an, sondern auf die inhaltliche Definition des
							Gegenstands, den der Vokabular-Datensatz behandelt.</p>
						<p>Im genannten Fall würden vom externen Portalbetreiber durch die
							Integration der kontrollierten Vokabulare nachträglich weitere
							Suchbegriffe in den Einzeldatensätzen ergänzt werden können – so
							genannte added search terms. Wenn in den Originaldaten „Bildnis“ steht,
							würden die synonymen Bezeichnungen „Porträt“ oder „Portrait“ automatisch
							ergänzt und somit ermöglicht, dass der Datensatz bei einer Suchanfrage
							nach „Porträt“ in der Treffermenge erscheint, auch wenn der
							Datenlieferant selbst die Bezeichnung „Bildnis“ verwendet hat.</p>
						<p>Ein weiterer Vorteil liegt in der eindeutigen Identifizierung der
							referenzierten Personen, Orte, Objekte oder Begriffe: Auch wenn
							unterschiedliche Namensvarianten benutzt werden, kann mit Hilfe des URI
							aus der GND eine qualifizierte Aussage darüber getroffen werden, ob es
							sich um Lucas Cranach den Älteren oder den Jüngeren handelt. Dies
							ermöglicht entsprechend differenzierte Datenbankabfragen, etwa nach den
							Werken von Lucas Cranach des Älteren (und nicht des Jüngeren).</p>
						<p>Grundsätzlich gilt: Je mehr Referenzen auf kontrollierte Vokabulare und
							Normdateien ein Objektdatensatz enthält, desto mehr Bezeichnungen stehen
							für den Sucheinstieg zur Verfügung und desto mehr Verknüpfungen zu
							verwandten Inhalten können generiert werden. Daher ist es durchaus
							empfehlenswert, mehrere Referenzen auf verschiedene Vokabulare und
							Normdateien anzugeben. Dabei ist allerdings zu unterscheiden, ob ein und
							derselbe Eintrag mit unterschiedlichen URIs identifiziert wird, also z.
							B. Lucas Cranach der Ältere durch den GND-URI und den ULAN-URI, wobei es
							sich immer um dieselbe Person handelt, oder ob es sich um
							Mehrfacheinträge zu unterschiedlichen (wenn auch verwandten) Begriffen
							handelt.</p>
						<p>Für die Darstellung ikonographischer Themen, wie die „Himmelfahrt
							Mariens“, ist Iconclass (= <ref
								target="http://www.iconclass.org/rkd/73E77/"
								>http://www.iconclass.org/rkd/73E77</ref>) besonders geeignet. Eine
							zusätzliche Verknüpfung mit dem GND-URI (<ref
								target="http://d-nb.info/gnd/1023810115">http://
								d-nb.info/gnd/1023810115</ref>) eröffnet die Möglichkeit, weitere
							Suchterme anzureichern und bietet einen weiteren qualifizierten
							Einstiegspunkt für Linked-Data-Anwendungen.</p>
						<!-- Hier fehlt in der Printausgabe die Leerzeile, obwohl der folgende Absatz mit rend=leading beginnt -->
						<p rend="leading">
							<hi rend="bold">Folgende kontrollierte Vokabulare werden empfohlen
								(geordnet nach Priorität):</hi>
						</p>
						<p rend="leading">
							<hi rend="bold">Art &amp; Architecture Thesaurus (AAT)</hi>
						</p>
						<p>
							<ref target="http://www.getty.edu/research/tools/vocabularies/aat/"
								>http://www.getty.edu/research/tools/vocabularies/aat/</ref>
						</p>
						<!-- Hier steht in der Printausgabe eine Leerzeile vor der Tabelle, die soll da nicht hin -->
						<list>
							<item>für Objekttypen</item>
							<item>für Gattungen</item>
							<item>für stilistische Einordnungen</item>
							<item>für Titeltypen</item>
							<item>für Rollen</item>
							<item>für Arten von Zuschreibungen</item>
							<item>für geographisch-stilistische Einordnungen</item>
							<item>für verwendete Materialien/Techniken/Werkzeuge</item>
						</list>
						<!-- Hier fehlt in der Printausgabe die Leerzeile, obwohl der folgende Absatz mit rend=leading beginnt -->
						<p rend="leading">Beachten Sie, dass dieselbe Bezeichnung im AAT in
							unterschiedlichen Facetten vorkommen kann. Ein Ölgemälde entspricht z.
							B. dem Begriff „oil paintings (visual works)“ (<ref
								target="http://vocab.getty.edu/aat/300033799"
								>http://vocab.getty.edu/aat/300033799</ref>) in der Objektfacette
							des AAT, weil es sich um eine Bezeichnung für ein vollendetes Objekt
							handelt. Die Technik Ölmalerei, die zur Herstellung eines Ölgemäldes
							dient, entspricht hingegen dem Begriff „oil painting (technique)“ (<ref
								target="http://vocab.getty.edu/aat/300178684"
								>http://vocab.getty.edu/aat/300178684</ref>) aus der Facette der
							Prozesse und Techniken. Der erstgenannte Begriff wird im Datenfeld
							„Objekttyp“ verwendet, der zweite im Feld „Technik“. Eine Verwechslung
							der ähnlich lautenden Bezeichnungen ist leicht möglich. Doch durch einen
							Homonym-Zusatz (visual works oder techniques) wird im AAT auf diesen
							Unterschied hingewiesen. In jedem Fall sollte durch einen Blick auf die
							Einordnung des entsprechenden Begriffs in der AAT-Hierarchie
							sichergestellt werden, dass man den gewünschten Deskriptor aus der
							richtigen Facette verwendet. </p>
						<p rend="leading">Folgende Hierarchien sind dabei voneinander zu
							unterscheiden:</p>
						<!-- Hier steht in der Printausgabe eine Leerzeile vor der Tabelle, die soll da nicht hin -->
						<list>
							<item>
								<hi rend="bold">für Objekttypen</hi>: Deskriptoren aus der Facette
								„Objects“ <ref target="http://vocab.getty.edu/hier/aat/300264092"
									>http://vocab.getty.edu/hier/aat/300264092</ref>
							</item>
							<item>
								<hi rend="bold">für Material</hi>: Deskriptoren aus der Facette
								„Materials“ <ref target="http://vocab.getty.edu/hier/aat/300010357"
									>http://vocab.getty.edu/hier/aat/300010357</ref>
							</item>
							<item>
								<hi rend="bold">für Technik</hi>: Deskriptoren aus der Facette
								„Processes and Techniques“ <ref
									target="http://vocab.getty.edu/hier/aat/300053001"
									>http://vocab.getty.edu/hier/aat/300053001</ref>
							</item>
							<item>
								<hi rend="bold">für Werkzeuge</hi>: Deskriptoren aus der Facette
								„Tools and Equipment“ <ref
									target="http://vocab.getty.edu/hier/aat/300022238"
									>http://vocab.getty.edu/hier/aat/300022238</ref>
							</item>
						</list>
						<!-- Hier fehlt in der Printausgabe die Leerzeile, obwohl der folgende Absatz mit rend=leading beginnt -->
						<p rend="leading">
							<hi rend="bold">Gemeinsame Normdatei (GND)</hi>
						</p>
						<!-- Achtung: Alle Links auf die Normdateien fehlen, ergänzt, nochmal checken? -->
						<p>
							<ref target="https://portal.dnb.de">https://portal.dnb.de</ref>
						</p>
						<list>
							<item>für Objekttypen</item>
							<item>für Gattungen</item>
							<item>für Personen, sowohl für dargestellte als auch für jegliche
								Personen und Personengruppen (z. B. Organisationen), die mit
								Ereignissen rund um das beschriebene Objekt in Zusammenhang stehen
								(Hersteller*innen, Verleger*innen, ausstellende Institutionen,
								Vorbesitzer*innen etc.)</item>
							<item>für verwendete Materialien und Techniken</item>
							<item>für Orte, sowohl für dargestellte als auch für jegliche
								Ortsangaben, die im Zusammenhang mit dem beschriebenen Objekt
								stehen</item>
							<item>für Kunst- und Bauwerke: für das im Datensatz beschriebene Werk
								selbst, für darauf dargestellte Werke als auch für Werke, zu denen
								ein inhaltlicher Bezug besteht (z. B. Kopie nach)</item>
							<item>für dargestellte Ereignisse, die in der Realität stattgefunden
								haben</item>
						</list>
						<p rend="leading">
							<hi rend="bold">Iconclass</hi>
						</p>
						<p>
							<ref target="http://www.iconclass.nl/home"
								>http://www.iconclass.nl/home</ref>
						</p>
						<list>
							<item>für Bildinhalte und ikonographische Themen</item>
						</list>
						<p rend="leading">
							<hi rend="bold">Union List of Artist Names (ULAN)</hi>
						</p>
						<p>
							<ref target="http://www.getty.edu/research/tools/vocabularies/ulan"
								>http://www.getty.edu/research/tools/vocabularies/ulan</ref>
						</p>
						<list>
							<item>für Personen und Personengruppen, die an der Herstellung oder
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