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<p rend="leading">Marcel Duchamp (1887-1968) verwendete für seine berühmten Readymades Gebrauchsgegenstände, die er allein mittels seiner Signatur und durch die Art ihrer Präsentation in musealen Räumen in einen neuen Kontext setzte und diese Neuinszenierung als Kunst erklärte. Nehmen wir als Beispiel das handelsübliche Pissoir, das Duchamp umgekehrt aufstellte, mit 1917 datierte und in Anlehnung an den ursprünglichen Hersteller, die Firma J. L. Mott, mit der Signatur eines Pseudonyms „R. Mutt“ versah. Dieses Werk wurde unter dem Titel „Fountain“ zunächst bei der Jahresausstellung der Society of Independent Artists im April 1917 eingereicht, nach großem Protest jedoch dort nie gezeigt und nur eine Woche später in der New Yorker Galerie 291 ausgestellt. Das Original ist heute verschollen und nur durch ein Foto von Alfred Stieglitz rekonstruierbar. Auf der Grundlage des Fotos wurden einige Repliken hergestellt.</p>
<p rend="leading">Auch diese Objektgeschichte lässt sich anhand verschiedener LIDO-Ereignistypen in strukturierter Form beschreiben.
<list><item></item></list></p>
<p rend="leading">Alle diese Informationen sollten in verschiedenen, nach diesen Ebenen
differenzierten Datenfeldern erfasst werden. Ist man sich der Unterscheidung
nach konzeptuellen und konkreten Ebenen bewusst, so trägt das
dazu bei, die Organisation von Informationen in einem sammlungsübergreifenden
Portal zu erleichtern und nach bestimmten Kriterien zusammengehörige
Objekte auch zusammen präsentieren zu können. Zum Beispiel
werden im Graphikportal eindeutige Identifier auf der Werkebene
– Werkverzeichnisnummern oder Werknormdaten – dazu verwendet, alle
Abzüge von derselben Druckform in einem Suchergebnis zusammenzuführen.
Ebenso wäre es möglich, alle Abzüge desselben Bearbeitungszustands
in einem Suchergebnis zusammenzuführen, wenn alle datenliefernden
Sammlungen diese Zustände gleich bezeichnen, beispielsweise
mit Bartsch VII.114.107 (I).</p>
<p>Die genannte Unterscheidung der Ebenen der Beschreibung ließe
sich außerdem dazu nutzen, dass ausschließlich Informationen auf Werkebene,
die auf alle Abzüge einer Druckform zutreffen, zum Datenexport
aus dem Portal freigeschaltet werden. Mit der Nachnutzung dieser Informationen
ließen sich in der Datenerfassung wesentliche Ressourcen
sparen, da Daten zur selben Druckgraphik nicht mehrfach erfasst werden
müssten. Um die notwendigen Voraussetzungen für optimale Recherche-
Ergebnisse zu schaffen, werden im Rahmen des Graphikportals
zwei theoretische Ansätze miteinander vereint, die Unterscheidung der
Werkebenen einerseits und die aus dem CIDOC CRM abgeleitete ereignisbasierte
Informationsstruktur andererseits. Wie bereits erwähnt, leistet das Referenzmodell FRBRoo diese Harmonisierung und bildet damit die
Grundlage für die Entwicklung des Portals. Das hat dazu geführt, dass
die im Folgenden eingeführten Arten von Ereignissen (= Event Types), die
zur Herstellung der in den Sammlungen aufbewahrten druckgraphischen
Abzüge geführt haben, eng an das FRBRoo-Modell angelehnt sind.</p>
<list type="ordered">
<item>1) Zunächst ist die rein konzeptuelle Entscheidung von Marcel Duchamp, ein Pissoir zum Kunstwerk zu erklären, wieder dem Ereignis <hi rend="bold">Idee</hi> = <ref target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/work_conception">http://terminology.lido-schema.org/eventType/work_conception</ref> zuzuweisen.</item>
<item>2) Da Duchamp das Urinal jedoch tatsächlich mit in schwarzer Lackfarbe aufgebrachter Signatur und Datierung veränderte, gibt es noch ein weiteres Ereignis, nämlich die <hi rend="bold">Umgestaltung</hi> = <ref target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/transformation">http://terminology.lido-schema.org/eventType/transformation</ref>. Obwohl Duchamp – mit Ausnahme der Signatur – nicht die physische Gestalt des Objekts verändert hat, so hat er doch ihre Bedeutung in erheblicher Weise umgeformt und en passant ihren monetären Wert extrem gesteigert.</item>
<item>3) Schließlich gibt es das Ereignis der <hi rend="bold">Ausstellung</hi> = <ref target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/exhibition">http://terminology.lido-schema.org/eventType/exhibition</ref> in der Galerie 291 Fifth Avenue, New York. Das kuriose Ereignis der Nicht-Ausstellung bei der Jahresausstellung lässt sich nicht in strukturierter Form beschreiben.</item>
<item>4) Den Moment des Verlusts des Originals kann man theoretisch mit einem LIDO-Ereignis <hi rend="bold">Verlust</hi> = <ref target="http://terminology.lido-schema.org/eventType/loss">http://terminology.lido-schema.org/eventType/loss</ref> beschreiben, doch im konkreten Fall sind Ort und Zeitpunkt des Verlusts unbekannt. Ohne konkrete Dateninhalte braucht man auch kein eigenes Ereignis anzulegen. </item>
</list></p>
<p rend="leading">Das Foto des Werks von Alfred Stieglitz müsste in einem eigenen Datensatz beschrieben und dann mit dem Datensatz zum Readymade Duchamps über eine definierte Relation verknüpft werden, da sich die objektbezogenen Informationen stark ändern, je nachdem ob ein Foto oder aber das zugrunde liegende Werk selbst im Fokus des Datensatzes stehen. Der Urheber des Fotos ist Alfred Stieglitz, der Urheber des Readymades ist Marcel Duchamp. Das Werk von Duchamp ist Thema des Werks von Alfred Stieglitz.</p>
<p rend="leading"></p>
<!-- Ab hier alter Text aus dem Graphik Handbuch -->
<p rend="leading">Diese sind für die Druckgraphik:</p>
......
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